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Wissenschaftskommunikation

Ideenpark – spektakulär vorbeigezielt

Der Ideenpark war zu Gast auf der neuen Landesmesse in Stuttgart. Die Show war so erfolgreich, das Ministerpräsident Günther Oettinger jetzt selbst ein Wissenschaftsspektakel initiieren will. Grundsätzlich stellt sich jedoch die Frage, ob mit solch einer Veranstaltung das erklärte Ziel, den Fachkräftemangel abzubauen, überhaupt erreicht werden kann. Der Ideenpark war zu Gast auf der neuen Landesmesse in Stuttgart. Die Show war so erfolgreich, das Ministerpräsident Günther Oettinger jetzt selbst ein Wissenschaftsspektakel initiieren will. Grundsätzlich stellt sich jedoch die Frage, ob mit solch einer Veranstaltung das erklärte Ziel, den Fachkräftemangel abzubauen, überhaupt erreicht werden kann.

282.000 Besucher an neun Tagen – der Ideenpark in Stuttgart war eine Rekordveranstaltung. Alle zwei Jahre schlägt dieses mobile Science Center mit Mitmachgarantie in einer deutschen Großstadt auf. Im Jahr 2004 war der Ideenpark in Gelsenkirchen zu Gast, 2006 in Hannover. Ins Leben gerufen wurde er von Thyssen-Krupp mit dem Ziel, durch eine Wissenschafts- und Technikshow das Interesse von Kindern und Jugendlichen zu wecken. Die sollen schließlich die Ingenieure von morgen sein.

Im Interview mit der Stuttgarter Zeitung sagte Thyssen-Krupp-Chef Ekkehard Schulz, eine Umfrage beim Ideenpark in Hannover hätte gezeigt, dass 70 Prozent der Befragten durch den Ideenpark einen neuen Zugang zur Technik bekommen hätten und sich vorstellen könnten, einen technischen Beruf zu ergreifen. Fachkräftesicherung durch die Hintertür also. Zumindest bei Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger und seinen Ministerkollegen ist die Botschaft angekommen. Oettinger will einen regelmäßigen Ideenpark in kleinerem Format etablieren. Er sieht im Erfolg des Ideenparks „ein deutliches Zeichen für die Begeisterungsfähigkeit der Baden-Württemberger für Technik, Wissenschaft und Bildung“.

Doch diese Form der Wissenschaftskommunikation dürfte zu kurz gedacht sein, wenn sie mehr bieten soll als Unterhaltung. Zumindest im Hinblick auf die Zielsetzung, übermorgen die Berufsentscheidung der Jugend von heute zu beeinflussen. Um Interesse zu wecken, Wissen zu vermitteln und mit Wissenschaft zu unterhalten mag das Konzept tragen. Aber ob es in der Lage ist, die Berufswahl zu lenken, wenn diese noch sechs bis zehn Jahre in der Zukunft liegt, muss kritisch hinterfragt werden. Ein alle zwei Jahre abgefeiertes Wissenschaftsspektakel wird die Defizite in der Alltagserfahrung mit Naturwissenschaften nicht ausgleichen. Da fehlt schlicht und ergreifend ganz wesentlich der stetige Anstoß, die Begleitung, die Kontinuität. Offenbar gelingt es in der Schule nicht, die so wichtige Begeisterung für Naturwissenschaften zu wecken, denn sonst sollten 70.000 fehlende Ingenieure (von Naturwissenschaftlern wird schon gar nicht mehr gesprochen) kein Thema sein.

10 Millionen Euro hat Thyssen-Krupp mit seinen Partnern in neun Tage Ideenpark in Stuttgart investiert. Für die große Show hat es gereicht – ob es hilft, die technologische Zukunft zu sichern, wissen wir vielleicht in zehn Jahren. Es darf aber schon heute vorsichtig prognostiziert werden, dass bis dahin sogar bei den technikbegeisterten Ideenparkbesuchern noch das eine oder andere Mal der „Lokführereffekt“ eintritt: gestern Feuerwehrmann, morgen Pilot, übermorgen Lokführer. Karriereziele bei Kindern unterliegen natürlichen Schwankungen.

Vielleicht würde es der deutschen Industrie und anderen Wissenschaftsspektaklern helfen, mal über den Tellerrand hinauszublicken. In anderen Aktionsfeldern, wie zum Beispiel Sport und Kultur gibt es bereits seit Jahren Lösungen zur Zukunftssicherung. Und die sind völlig unspektakulär.

chb

28. Mai 2008 - Verfasst von chrib | Uncategorized | , | No Comments Yet

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